Lasst uns zum guten ´alten G9` zurückkehren.

Der Runde Tisch in Düsseldorf zum Thema G8/G9 ging am 03. November in die letzte Runde. Danach wurde in der Presse der Bevölkerung NRWs ein “Konsens” verkauft, der da hieß: “G8 bleibt und wird ein bisschen hübscher gemacht”.

Was Sylvia Löhrmann, Sigrid Beer, Peter Silbernagel und Ralf Leisner da am Runden Tisch fabriziert haben ist nur als ideologisch verblendet oder als schlichtweg böse zu bezeichnen. Sie lassen Anstand und Herz vergessen, wenn sie – getrieben von z.T. linker Narretei – mit ihrem Festhalten am Ganztags-G8 die Kinder intakter Familien von eben diesen mindestens 8 Stunden am Tag trennen wollen.

Das Grundgesetz sichert in Fragen der Erziehung das Elternprimat

Ich frage mich, was Sylvia Löhrmanns Motive sind. Sie kann sich doch nicht wirklich und wahrhaftig wünschen, alle Kinder, egal wie deren häusliche Situation ist, von ihrem Elternhaus, ihren Sport- und Musikvereinen, ihren Freunden fernzuhalten. Sie kann doch nicht allen Ernstes glauben, dass die Fremdverfügung von Lebenszeit schon bei Kindern auf 8 Stunden pro Tag heraufgesetzt werden sollte. Sie kann doch wohl nicht tatsächlich

der Meinung sein, dass in Wochenendseminaren ‘geschulte’ Betreuer qualitativ höherwertige Erziehungsarbeit leisten können als wir engagierten Eltern. Dass es in unserem Land eine Schulpflicht gibt ist schön und richtig, aber dass der Staat sich so massiv in die Erziehung von Kindern einmischen will erinnert mich an totalitäre Systeme. Sollen unsere Kinder demnächst so “rhythmisiert” (ein Lieblingswort der pro-Gesamtschule-pro-G8-an-Gymnasien-pro-gebundener-also-verpflichtender-Ganztag-schon-an-der-Grundschule-Fraktion) werden, dass wir ihnen jede Individualität rauben wollen? Ich sage nein!

Als es für mich an der Zeit war, mich für einen Beruf zu entscheiden, habe ich mich ganz gezielt für den Lehrerberuf entschieden. Ich bin mit meiner halben Stelle üblicherweise Mittags zu Hause und kann meine Unterrichtsplanung nach Gusto auch abends zwischen 20:30 und 23:00 machen, wenn meine Kinder im Bett sind. Ich wäre also durchaus auch, wenn meine Kinder nach der Grundschule ein Gymnasium besuchen sollten, gern diejenige, die entscheidet, ob meine Kinder Mittags oder Nachmittags nach Hause kommen, denn das durch das Grundgesetz abgesicherte Erziehungsprimat liegt immer noch bei uns Eltern! Die Landesregierung NRW versucht ganz klar, ihr Recht auf schulische Erziehung massiv auszuweiten und damit Elternrechte zu beschneiden.

Totschlagargument ‘Chancengleichheit’

Dabei wird natürlich wieder von Chancengleichheit gefaselt, einem ebenso alten wie abgenutzen Totschlagargument. Und Frau Löhrmann und Frau Beer möchten so oder so das Gymnasium schwächen und alle Kinder in Ganztagsinstituten mit so tollen Bezeichnungen wie “Gemeinschaftsschule” und “Gesamtschule” gleichmachen. Das ist ärgerlich! Weder ist -und das belegen Studien- das Abitur an Gesamtschulen gleichwertig dem an Gymnasien, noch macht das ganze heftige Postulieren, dass alle Kinder gleich seien dieses Wünschen WAHRER. Umfangreiche Daten verdeutlichen zweierlei: 1. An Gesamtschulen sind die Schüler bis zu drei Schuljahren hinter dem Wissensstand gleichaltriger Gymnasiasten, 2. Schüler müssen Indolenz mitbringen, also ertragen können, dass sie in etwas schlechter sind als andere und den Gehorsam und die Disziplin haben, die sie führbar machen und die ihnen Bedürfnisaufschub ermöglichen. Fazit: Sie sind NICHT gleich! Keinesfalls ist Denen, die die Gesamt- und Gemeinschaftsschulen stärken wollen daran gelegen, für Kinder bildungsferner oder anderswie problematischer oder benachteiligter Haushalte bessere Lernvoraussetzungen zu schaffen, sondern sie wirken so, als wollten sie es den privilegierten Familien mal so richtig zeigen.

Der wissenschaftliche Blick auf G8 versus G9

Nun tut ja Frau Löhrmann so, als habe sie Interesse an einer wissenschaftlichen Beleuchtung der Problematik. Da sie aber von vornherein an G8 festhalten wollte, sieht sie alle Daten im Lichte des Nutzens von G8, bzw. der Nichtvalidität für G9. Als Naturwissenschaftlerin muss ich ihrer Herangehensweise klar die rote Karte zeigen. Das ist völlig unwissenschaftlich. Das ist ähnlich wie der Kreationist Michael J. Behe, der “weiß”, dass Gott die Erde in ein paar Tagen geschaffen hat und nun nach Belegen sucht. Andersherum wird Wissenschaft daraus: Ich schaue mir alle Untersuchungsergebnisse an und entscheide dann, in welche Richtung sie am ehesten deuten, akzeptierend, wenn siemir nicht in den Kram passen! Vielleicht sollte Frau Löhrmann mal diverse Metastudien lesen, oder einfach zu einem Vortrag des renommierten Bildungswissenschaftlers Prof. Dollase gehen. Der war gerade in Rheda-Wiedenbrück, um den dortigen Zuhörern die Ergebnisse der Schulzeitverkürzung aufzuzeigen, auf der Basis großer Datenmengen, nicht etwa auf der Basis von Wunschdenken oder persönlicher Vorliebe.

Moralismus macht die Empirie kaputt

Aber wir wissen ja, “Ideologie ist der Feind der Argumente” und “Moralismus ist der Versuch, Wissenschaft und Empirie durch Moralisieren unschädlich zu machen” (der Philosoph Hermann Lübbe) weshalb alle Studien dieser Welt Frau Löhrman und Konsorten von ihrem Egalisierungsvorhaben nicht abbringen könnten, schon deshalb, weil es sich bei ihren Bestrebungen um einen Religionsersatz, also um eine Weltanschauung handelt. Und wie bei allen Weltanschauungen wissen wir ja, was mit Andersdenkenden gemacht wird. Hier sollen sie zumindest mundtot gemacht werden, oder denken Sie, dass die Elterninitiativen G9 jetzt! NRW und Gib8! tatsächlich den Anteil an der Gestaltung des Runden Tischs bekommen haben, den sie verdient haben? Studien zu Wünschen der Bevölkerung verdeutlichen, dass ein Großteil der Befragten, nämlich ca. 85% sich das alte G9 zurück wünschen. Nur ca. 15% wollen an G8 festhalten. Am von Frau Löhrmann als “fair” ausgelobten Runden Tisch kamen vor allen Dingen Befürworter von G8 bzw. Befürworter von gebundenen Ganztagsschulen (was das alte G9 definitiv nicht war!) zu Wort.

Die Schieflage des Runden Tischs

Da wären Peter Silbernagel als Vorsitzender des Philologenverbands NRW (der entgegen der Haltung des Bundesverbands der Philologen gegen G9 eintritt); da ist Ralf Leisner als Chef der Landeselternschaft, der autokratisch entschieden hat, dass er gegen G9 ist, OHNE seine Elternschaft zu befragen; da sind Frau Löhrmann und Frau Beer, die die Kinder gern von 8:00 bis 16:00 gemeinsam beschult wissen möchten, weshalb auch Peter Silbernagels Äußerung im WDR am 23.10., als eine der Empfehlungen des Runden Tischs, dass es möglichst nur noch einmal pro Woche Nachmittagsunterricht geben solle in zweierlei Hinsicht stinkt. 1. Frau Löhrmann will unbedingt und mit allen Mitteln flächendeckend den gebundenen Ganztag. Wenn denn nur noch an einem von 5 Nachmittagen Unterricht stattfinden soll, wird sie weder das eine noch das andere rechtfertigen können. 2. Herr Silbernagel sagt nicht die ganze Wahrheit! Wenn wir uns die G8 Stundentafel anschauen, kann er höchstens von Klasse 5 und 6 sprechen. Spätestens ab Klasse 7 müssen die Schüler an mindestens 2 oder gar 3 Tagen am Nachmittag unterrichtet werden, andernfalls geht die Rechnung nicht auf. Fazit: Wieder ist alles Augenwischerei!

Das neue G9 vor vier Jahren war eine Mogelpackung

Aber wissen Sie, was mich wieder am meisten ärgern wird, wenn denn die Löhrmanns und Beers dieser Welt vor die Mikrophone treten? Dass sie wieder behaupten werden, es habe doch vor einigen Jahren in NRW die Gelegenheit gegeben zu G9 zurückzukehren und nur 13 Schulen haben davon Gebrauch gemacht (Die Wahrheit finden Sie hier, auf der Seite des Ministeriums: gsg.intercoaster.de/icoaster/files /nrw_modellversuch_g_8_g_9.pdf). Dann wird es wieder da sein, dieses Gefühl von Verschaukeltwerden.

Mein Aufruf: Lassen wir uns nicht einlullen. Ab auf die Straße und Unterschriften für die Volksinitiative sammeln! Es fehlen noch ca. 15.000 Unterschriften bis die knapp 67.000 Unterschriften, die für die Gesetzesinitiative benötigt werden, aufgebracht sind. Wir haben noch 3 Monate Zeit. Das können wir schaffen!


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Ein Plädoyer für eine humanistische und säkulare Erziehung, Teil 2.
Im Eingangsbereich der Grundschule meines älteren Sohnes befindet sich ein im Religionsunterricht erstelltes Bild, das Jesus zeigt, der unter seinen ausgebreiteten Armen eine Schar Kinder um sich versammelt hat. Gelinde gesagt widert mich dieses Bild an. Dieser Essay soll verdeutlichen, warum die Bibel nicht “das gute Buch” ist und warum ich meinen Kindern andere Literatur gebe.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten von uns weder Hitlers mein Kampf (die annotierte und kommentierte Ausgabe ist ja nicht auf dem Index) noch die unkommentierte und nicht annotierte Lutherbibel (im deutschen Sprachraum sehr verbreitet) von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben.
Gleichermaßen bin ich mir relativ sicher, dass es nur wenige Erwachsene in Deutschland gibt, die sich Unterricht wünschen, in dem ausgewählte nette Textstellen mit den Kindern gelesen werden, die im Anschluss in hübsche Bilder übertragen werden, in denen der Führer die süßen kleinen Arier um sich schart.
Erstaunlicherweise gestatten wir dies aber, wenn es sich um die Bibel handelt. Diese unterscheidet sich außer darin, dass sie älter ist und von vielen Autoren stammt nicht von Hitlers Buch. Beide sind Machwerke.
Bei Mein Kampf sind wir uns wohl in großem Maße einig, dass cherry picking, also das Heraussuchen von Textstellen, die uns moralisch oder geschichtenerzählerisch zusagen, nicht zulässig ist.
Hier dürfen wir also nicht sagen, dass die Kapitel, die sich mit den guten Wünschen für das deutsche Volk oder die nordische Rasse befassen akzeptabel, oder gar moralisch richtig sind.
Und dass sie dies auch für alle Zeiten bleiben, egal wie sehr sich die Welt verändert haben mag.
Wir sind uns aber recht einig darüber, dass Hitlers Griff nach anderer Völker Land und sein Hass gegen alle und alles nicht Deutsche/Nordische/Arische irgendwo zwischen geisteskrank und abartig, auf jeden Fall aber (aus heutiger Sicht) moralisch verwerflich ist.
Wenn wir uns einmal die Bibel anschauen, werden wir feststellen, dass wir genau dieses cherry picking betreiben. Das wird schon dadurch deutlich, dass wir bestimmte Textstellen auf und ab singen können, wohingegen wir andere gar nicht kennen, weil es in ihnen um Mord und Totschlag gegen alle und alles geht, was nicht mit dem auserwählten Volk zu tun hat.
Nun die Frage: warum tun wir dies so nonchalant?
Eine Überlegung ist, dass dieses Verhalten auf einer Tradition beruht.
Irgendwie akzeptieren das ja alle, dann ist das wohl so.
Meine Antwort darauf: es gibt eine Alternative. Ja, ganz in echt, wir haben eine Wahl. Wir müssen nicht glauben. Wir müssen unseren Kindern diese Geschichten nicht antun.
Warum ist diese Wahl so bedeutsam? Weil die Logik und Moral der Religionen (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, etc.) mehr als brüchig ist.
Weil es auf schwierige Fragen keine einfachen Antworten geben kann. Manchmal gar keine Antworten, manchmal NOCH keine Antworten.
Ein sehr simpler Grund für das Verharren im Tradierten ist der Wunsch nach Sicherheit und Trost.
Ganz ehrlich, es gibt keine vollkommene Sicherheit und keinen vollkommenen Trost. Das zu wünschen ist kindlich und kindisch.
Wir sind unseren Kindern schuldig NICHT so große Fragen wie die nach dem, was nach dem Sterben passiert, mit billigen Floskeln zu bedienen wie “dann kommst du in den Himmel und wirst ein Engel”.
Das ist zum einen beschämend und zum anderen nicht durchzuhalten.
Ich habe als Kind immer weiter gefragt:
Woher weißt du das?
Bist du schon einmal tot gewesen?
Was genau sind Engel?
Warum beerdigt man dann die Toten?
Wie kommt der tote Körper in den Himmel?
Was ist mit der matschigen totgefahrenen Katze?
Wird die ein Matscheengel?
Wir Erwachsenen müssen uns fragen, ob wir unseren Kindern diesen infantilen Quatsch zumuten, weil wir selber zu feige sind, uns mit unserer Sterblichkeit auseinander zu setzen.
Ich stimme zu, dass es verdammt schwierig ist, mit Kindern über so große Fragen zu sprechen, aber ein Abkanzeln und eine billige Geschichte sind doch wohl nicht das Mittel der Wahl.
Und überhaupt, ab welchem Zeitpunkt sage ich denn dann meinen Kindern, dass das alles nur Schmu ist? Denn ganz im Ernst glaubt doch wohl keiner von uns diesen Mist.
Wie entsetzlich für diese Kinder, so von ihren Eltern belogen worden zu sein.
Wir dürfen unseren Kindern graduell das Leben und den Tod zumuten. Das heißt natürlich nicht, unseren Kindern aufzuhalsen, dass wir verrotten und aufgefressen werden.
Die Wortwahl und gute Beispiel aus dem biologischen Kreislauf des Lebens helfen.
Einen Vogel zu Grabe zu tragen, denn Rituale sind wichtig. Aber auch zu erlauben, dass die Kinder den Vogel wieder ausbuddeln wollen, um zu gucken, wie der nach zwei Wochen aussieht.
Dass ich natürlich für gemeinsame Rituale bin ist unzweifelhaft. Anzunehmen, dass eine humanistische, vernünftige, biologische und säkulare Haltung zum Leben und zum Sterben mich zum kalten Arschloch werden lässt, ist unsinnig und beleidigend.
Die Lebenden benötigen durchaus die Möglichkeit zu trauern und sich zu erinnern. Aber das ist viel weniger religiös oder spirituell, als vielmehr einfach menschlich.
Menschlich ist auch, Teil einer Gruppe sein zu wollen. Aber ich wehre mich vehement dagegen, mich als Teil einer ausgrenzenden Gruppe zu sehen und möchte das gewiss für meine Kinder auch nicht.
Denn genau das geschieht doch, wenn Kinder getauft oder im jüdischen oder sonstwie gearteten Glauben erzogen werden werden. Sie werden ALLES andere nicht!
Krass, wenn kleine Baptistenkinder im Kindergarten andere Kinder mit fiesen Geschichten von der Hölle kommen. Und dabei sind diese Kinder nur so krasse Baptistenkinder, weil sie krasse Baptisteneltern haben.
Wären sie Kinder von Mennoniten, dann wären sie krasse Mennonitenkinder.
Wären sie Kinder von krassen Katholiken, dann wären sie krasse Katholikenkinder.
Egal wie abstrus all diese aberwitzigen Weltanschauungen sein mögen, die die
Kinder nachahmen und nachplappern, ganz klar werden ihre Eltern die Ansicht vertreten, dass ihre Weltanschauung keine Weltanschauung sei, sondern die Wahrheit, aber dass aller anderen Weltanschauungen völlig falsch seien.
Wäre das krasse Baptistenkind das Kind von krassen Islamisten, anstelle das Kind von krassen Baptisten, dann würde es -vorausgesetzt es wäre ein Junge -seine eigene Mutter verunglimpfen und hätte eine mega-Abneigung gegen alles nicht-Islamische.
Wäre dasselbe Kind stattdessen von krassen Hindus großgezogen worden, dann würde es jetzt über alle Baptisten herziehen und hätte Angst vor Shiwa.
Hirnrissig, oder?!
Ich kann schon das Geschreie hören:”Dein Atheismus ist doch auch bloß eine radikale, fundamentalistische Weltanschauung!”
Nein, eine von Vernunft, Freundlichkeit, Interesse, Zuwendung, Humanismus geleitete Sicht auf die Welt ist gewiss KEINE solche Weltanschauung.
Weder mache ich meinen Kindern falsche Versprechungen, noch bedrohe ich sie mit Höllenqualen bis ins zigte Glied, wenn mir ihr Verhalten nicht passt.
Weder soll sie die Freude auf ein Paradies noch die Angst vor einer Hölle dazu
bringen, erwünschtes Verhalten zu zeigen oder nicht erwünschtes Verhalten zu unterlassen.
Und ganz ehrlich: diese Entscheidungen kann selbst ich oft nicht zu 100% treffen. Das Leben ist hoch komplex und kompliziert.
Manchmal gibt es keine einfache Entscheidung im Sinne von richtig oder falsch.
Wahrscheinlich würden es viele als sonderbar empfinden, wenn ich meine Kinder kurz nach der Geburt bei der Richard Dawkins Foundation für Vernunft und Wissenschaft angemeldet hätte, mit einem monatlichen Spendenbetrag, der später von ihnen geleistet werden müsste.
Ich empfände das auch als zumindest sonderbar.
Denn ICH bin Atheistin, meine Kinder sind keine Atheisten.
Wirklich sonderbar aber ist, dass die Kindstaufe als völlig in Ordnung empfunden wird.  Ganz ehrlich, wir können uns nicht zurückziehen auf “das macht man halt so!”. Das beleidigt meinen Intellekt.
Ebenso wenig wie meine Kinder Atheisten sind, sind die Kinder derer, die sie taufen lassen Christen. Sie sind vielleicht die Kinder von Christen.
Zumeist aber sind sie nicht einmal die Kinder von Christen, sodern nur die Kinder von Eltern, denen nichts besseres einfällt.
Kein AMEN.
Maid Manu.

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Ein Plädoyer für eine humanistische und säkulare Erziehung, Teil 1.
Warum ich meine Kinder nicht getauft habe. Warum ich ihnen keine christlichen
Werte vermittle.

Ich möchte meinen Kindern gönnen, dass sie möglichst ohne andere auszugrenzen aufwachsen.

Immer wird das nicht möglich sein, denn das wäre Wunschdenken. Ich bin realistisch.

Ich freue mich ganz ungemein, dass Deutschland sich zu einem so freundlichen, offenen, großzügigen, optimistischen, friedvollen Ort in Europa entwickelt hat. Gut, dass wir etwas gelernt haben.

Schön, dass die Lehrpläne und Richtlinien in den Schulen dem Rechnung tragen.

Ich kann mich nicht davon freimachen, dass ich mich manchmal dabei erwische, allzu simpel über andere Menschen zu urteilen, aber dann greift sogleich mein Korrektiv, meine Bildung, meine Haltung.

Ich möchte nicht ausgrenzen. Ich werde mir mehr Mühe geben.

Danke an Alice Schwarzer, dass sie den Frauen so viel Gutes ermöglicht hat und die Männer von einer schlimmen Tradition befreit hat.

Danke an die Grünen, die uns ein Gewissen für unsere Umwelt eingepflanzt haben.

Danke an die Regierung Schröder, dass sie nicht in den Krieg gezogen sind.

Danke an die Moralphilosophen, die uns ermöglicht haben, einfach gut zu sein, und nicht gut für Gott sein zu müssen.

Danke an die Aufklärer, die ein Licht in unseren Köpfen angezündet haben.

Danke an Charles Darwin, dass er uns unseren Platz auf der großen Showbühne der Evolution zugewiesen hat.

Danke an die Astrophysiker, die uns weniger begabten Menschen netterweise das Universum zu erklären bemüht sind.

Kein Dank hingegen geht an alle, die Kinder Gruppen zuweisen, die alle außerhalb der Gruppe stigmatisieren.

Kein Dank an Herrn Ratzinger, der das Ansehen Deutschlands als freundliche, pluralistische, aufgeklärte, emanzipierte und säkulare Nation beschädigt hat.

Kein Dank an die Katholiken Nordirlands. Kein Dank an die Protestanten Nordirlands.

Kein Dank an jeden einzelnen muslimischen Mann, der Hass gegen Frauen predigt und auslebt.

Kein Dank an die englische Regierung, die Mädchenbeschneidung zulässt.

Kein Dank an die deutsche Regierung, die Jungenbeschneidung zulässt.

Keine Toleranz der Intoleranz.


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